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Ein „k“ ist kein „c“

Von Björn Uhde | bj. Hamburg – Man kennt ihn ja den Spruch: „Du machst mir kein X für ein U vor!“ Etwas ähnliches ereignete sich jetzt auf europäischer Ebene: bei der Umsetzung der EU-Tabakrichtlinie in nationales Recht.

In dem Gesetz sind die Maßgaben für die Warn-Etiketten („Rauchen schadet der Gesundheit“ etc.) festgelegt: mindestens 50 % der Verpackung, schwarzer Rand – und der Aufdruck in der Schriftart Helvetika.

Helvetika. Helvetika. Helvetika. Moment. Helvetika? Heißt das nicht „Helvetica“?

Ja. Gemeint ist hier die Schriftart „Helvetica“, die weltweit eine der bekanntesten ist und unter anderem Firmenschrift von Lufthansa ist.

Leider war man wohl bei der Übersetzung der in englisch abgefassten Richtlinie (denn da wird noch in „Helvetica“ geschrieben) ins Deutsche etwas zu deutsch: aus der Helvetica wurde kurzerhand Helvetika.

Deutsch bleibt ja schließlich (auch wenn es übereifrig übersetzt wurde) deutsch. Zwar falsch, aber egal.

Die oppositionellen österreichischen NEOS (die Liberalen dort) bemerkten das – in der bereits vom österreichischen Parlament verabschiedeten Gesetzesvorlage. Man argumentierte, da eine Schriftart „Helvetika“ schlicht nicht existiere, sei das Gesetz durch die falsche Schriftart in diesem Punkt schlicht uneindeutig. Man bat also die SPÖ/ÖVP-Koalition, aus dem „k“ ein „c“ zu machen und damit diesen Fehler auszuräumen.

Offenbar, weil NEOS Opposition zur bestehenden Regierung ist, wurde der Vorschlag abgelehnt. Das Gesetz muss nur noch den österreichischen Bundesrat passieren, was als sicher gilt.

NEOS will sich damit nicht abfinden – und man kreierte schlicht die Schriftart „Helvetika“, die, laut Eigenaussage „möglichst hässlich“ sein sollte. Wird die Schriftart offiziell lizenziert (das Prüfverfahren läuft gerade), müssen Warnhinweise tatsächlich in der neuen Schriftart aufgedruckt werden. Und sehen dann aus wie oben.

Das gilt übrigens auch für Deutschland: gleiche Übersetzung, gleicher Fehler, ebenfalls im Gesetzgebungsverfahren übersehen – auch hier ist Helvetika-Land.

Allerdings: wir von der SPD können ja nochmal das „k“ durch ein „c“ austauschen. Ansonsten müssten wir uns wohl an obige Warnhinweise gewöhnen.

Björn Uhde

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