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OEZ. München.

Von Björn Uhde | bj. Bad Segeberg – Leute, ich bin wirklich grantig. Pray for Paris, Brüssel, Istanbul, Nizza, Orlando, (Setzen Sie hier Ihren Stadtnamen ein), ich reg mich auf. Nicht über die Taten, die sind gruselig – wie jetzt in München – aber über den Reflex, da reg ich mich echt tierisch auf.

Ey, es ist NICHTS bekannt. Man weiß aus München grad mal, daß einer ein paar Leute über den Haufen geschossen hat (mehr nicht), schon wissen mindestens 300 Terrorexperten (Warum treten die eigentlich alle im Rudel auf?), was da genau los war, und zwar:

Der IS. Jetzt hat’s München erwischt. Merkel. Die mit ihrer Politik der offenen Grenzen. Nur Einer? Pah! Wirst sehen, das ist ein Terrorplot! Die kennen sich aus! Wir werden alle sterben! Das ist unser Fanal! Wäre die AfD doch bloß an der Regierung!

Zwischendrin kreuzen Profilbildwedler auf, wahlweise mit prayformunich oder prayforgermany. Und dem traurig-tränenersticktem „Wir werden nie mehr sicher sein“ 🙁 < — und vergesst mir den verdammten Smiley nicht!!!!)

Ja, Herrschaftszeiten, seid’s ihr alle narrisch? Wer hat euch ins Hirn gschissn?

Aufgrund dieser Faktenlage kann ich die Ereignisse wahlweise mit meiner Waschmaschine oder der Hauswand gegenüber diskutieren.

Wahrheitsgehalt gleich 0? Is mir egal, is mir egal. Ein, zwei oder drei Täter? Is mir egal… Und so geht’s munter weiter.

Warum sollte sich meine Meinung (egal ob AfD-Ausländerhasser, Profilbildwedler oder Terrorangsthase) durch das, was tatsächlich passiert, beeindrucken lassen?

Da mach ich doch lieber den, der vor eiligen Schlüssen warnt, platt! Der ist dann entweder ein Vaterlandsverräter, ein empathieloses Arschloch oder hat keine Ahnung für das, was jetzt sofort getan werden muss (und zwar politisch!). Warum kommt nächste Woche nicht gleich der Bundestag zusammen und verabschiedet neue Antiterrorsicherheitsgesetze?

Ja, warum eigentlich nicht? Weil es gottverdammt hysterisch wäre!

Das hier sind die Fakten:

• Ein 18-jähriger Deutscher mit iranischem Hintergrund hat die Tat begangen
• Es war ein Amoklauf
• Daraus folgt:
• Es war kein Flüchtling (jemand, der hier geboren ist… ach Gott, das wird jetzt awei bleeder)
• Er hat sich nicht radikalisiert
• Und mit dem IS hat das auch nichts zu tun

Es wäre wirklich tierisch geil, wenn man einfach mal die Klappe halten könnte. Es ist nachvollziehbar, wenn man alles sofort wissen möchte, aber: Informationen kommen langsamer rein als man es sich wünscht. Verifizierte sogar noch schleppender.

Auf die kommt es aber an. Das sind schlussendlich die Tatsachen. Die dann zur Gewissheit werden.

Das, was vorher kommt, muss eingeordnet werden. Das machen Journalisten – und erklären es auch, wie zum Beispiel Dunja Hayali.

Auf Facebook oder Twitter tut das niemand. Da muss man selber ran. Bilder vergleichen. Statements in den entsprechenden Kontext – örtlichen, zeitlichen – einordnen.

Das ist mühsam. Das ist Arbeit. Anders geht’s aber nicht. Entweder hält man sich davon fern (wie in diesem jetzt-Artikel) – oder man nutzt es verantwortungsvoll. Entscheidet man sich für den dritten Weg, dem unkontrolliertem Teilen jeglicher Inhalte, erledigt man damit die Arbeit von IS, AfD oder wem-auch-immer-der-Panik-schüren-möchte. Man wird zum Helfershelfer.

Deshalb, wenn man für die digitale Welt #München auf ein paar wenige grundsätzliche Dinge runterbrechen möchte, wären das folgende:

1. Halte dich an Fakten und deren Quellen. Also im Falle #München: die Polizei.

2. Spekulieren ist was für AstroTV. Tut man nicht. Auch wenn es schwerfällt. Nein, auch jetzt nicht. Nie.

3. Panik? Ist schon genug „on the scene“. Das Letzte, was man gebrauchen kann.

Und, als letztes vielleicht noch:

4. Teilen. Es ist wichtig. Denn es lässt Informationen wandern und man erreicht die Menschen. Bitte weg vom „Like“, vom „Gefällt mir“!

Ihr könnt mit dem hier ja mal anfangen.

Björn Uhde

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