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Gedanken zur Gerechtigkeit

Von Falk Hammermüller | fh. Chemnitz – Ich hatte gestern Abend ein tolles Gespräch mit einem Genossen zum Thema Hartz IV, in der wir eine Idee, die seit Monaten in unseren Köpfen schwirrt, etwas detaillierter ausdiskutiert haben.

Als es darum ging, wo denn die größten Ungerechtigkeiten und wo Menschen in ihren Grundrechten nicht genug gesichert sind, kamen wir immer wieder auf einen Umstand: Den Moment, wo die Arbeitslosigkeit beginnt.

Der hat 3 Ebenen.

1. Ebene: Bevor man kündigt.

Wie viele Arbeitnehmer trauen sich nicht, eine Arbeitsstelle zu verlassen, wo sie klar ungerecht behandelt werden? Wo sie eventuell Mindestlohnverstöße zu akzeptieren haben und wo man eigentlich schon seit Wochen überlegt, wie man mit einem unzureichenden Einkommen um die Verschuldung herum kommt?

Vom Pizzaboten bis zur Putzfrau sind hier viele Gruppen betroffen.

2. Ebene: Während der Übergangsphase.

Man hat den Job gekündigt, in dem man nicht glücklich wird und bereits seit Wochen wusste, dass die Trennung unumgänglich sein wird. Jetzt muss man Bewerbungskosten tragen, die laufenden Kosten gehen trotzdem vom Konto ab und die Berechnungszeit des Amtes ist eine psychologische Barriere, die viel Angst – und schlaflose Nächte – verursacht.

3. Ebene: Wenn das Amt nach Wochen feststellt, dass man die Leistungen falsch berechnet hat.

Während man also in Phase 2 die laufenden Kosten stunden musste, durch Zahlungsausfall mit Mahnungen und den dadurch entstehenden Kosten umgehen muss, kommt plötzlich auch noch das Arbeitsamt und fordert Summen zurück, die man selbst nicht hätte verhindern können.

Nicht wenige Menschen gehen verschuldet aus dieser Phase heraus.

Und wenn man dann aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten in der Übergangsphase nicht wirklich voll konzentriert in den neuen Job geht, dann kann sich sehr schnell ein Kreislauf entwickeln, an dem schon viele Menschen kaputt gegangen sind.
ALs Martin Schulz als Präsident des Europaparlaments zurücktrat, hat er drei Monate Zeit, sich neu zu orientieren. Sein Gehalt vom Parlament in Brüssel für 3 volle Monate weiter gezahlt werden. Übergangsgeld nennt sich das.

Warum zahlen wir dieses Übergangsgeld nicht jedem Menschen, der einen Job aufgibt?

• Nie wieder in einem Job bleiben müssen, der unfair bezahlt wird.
• Nie wieder Angst haben, wenn man seinen Job verliert.
• geringstmögliche psychische Belastung.
• Wenig Schuldenkreislauf
• Weniger Menschen, die sich in einem schlechten Job krank arbeiten
• Kaum noch Arbeitgeber, die die Angst der alleinerziehenden Mutter, des unerfahrenen Gesellen oder des älter gewordenen Familienvaters ausnutzen.
• Geringere Probleme mit Arbeitgeberkonzernen, die Zeitarbeit und Kurzarbeit als Vollzeitmodelle betrachten.

Drei Monate bedingungslose Lohnfortzahlung durch den Bund und erst dann fällt man in eine Hartz-IV-Regelung, die bis dahin problemlos berechnet werden kann.

3 Monate bedingungsloseses Grundeinkommen, das bei 3000 € gedeckelt ist und mindestens 1500 € umfasst.

3 Monate, in denen ohnehin jeder Mensche ALG1, ALG2 oder soziale Grundsicherung erhielten. Nur eben mit wochenlangen Berechnungen und unsicherer Höhe.

Ich glaube, diese Handhabe würde vielen Menschen Sicherheit geben und Zwänge verhindern, die psychisch krank machen.

#BleibMensch
#LebenLassen

Falk Hammermüller


ist Sozialdemokrat aus Chemnitz.

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